Wie kann man in der heutigen Zeit einen touristischen Blumentopf gewinnen ? Indem man dem Gast mehr bietet als er erwartet hätte !
Mit dieser Aussage eröffnete Dr. Mathias Feige von von der „dwif Consulting GmbH“ aus Berlin die Vorstellung des in den zurückliegenden Monaten erarbeiteten Leitbildes für das zweitgrößte Seebad der Insel.
Rund 50 interessierte Leistungsträger waren der Einladung der Kurverwaltung auf die Seebrücke gefolgt, um den Ideen und Visionen zu folgen, die durch verschiedene Arbeitsgruppen entwickelt worden sind.
Und Dr. Mathias Feige nannte sogleich den vermeintlichen Schlüssel zum (Selliner) Erfolg : Individualität für den Gast während seines Aufenthaltes im Badeort zwischen Wald Granitz, Ostsee und Selliner See.
Er unterstrich, dass die Inhalte des Leitbildes dazu dienen sollen, die Qualität der Angebote so zu steigern, dass sie im Vergleich zu anderen Urlaubsdestinationen herausstechen. Denn, der Ort Sellin hat kein Alleinstellungsmerkmal, mit dem die Gäste reihenweise angelockt und zum Bleiben animiert werden, sagt der Tourismusexperte.
Aufgrund der entwickelten touristischen Soft- und Hardware sind vier Zielgruppen durch die Arbeitsgruppen definiert worden, die für einen Selliner Vermieter von Interesse sein könnten. Da wäre natürlich der Sommer- und somit Badegast.
Trotz einer durchschnittlichen Aufenthaltsdauer von sechs Tagen pro Gast (leicht über dem Wert der Insel Rügen gesamt) lässt die monatliche Bettenauslastung allerdings in Sellin sehr zu wünschen übrig.
Dies betrifft besonders die sog. Vor- und Nachsaison. Ergo, weitere Zielgruppen sind mit dem Aktivurlauber, dem Kulturinteressierten sowie mit Gesundheits- und Wellnessgäste ausgemacht. Indem an Gäste anspricht, die sich für eines der drei Merkmale interessieren, sollte es perspektivisch gelingen, die Saison insgesamt zu verlängern.
„Die Zeit der automatischen Zuwächse ist vorbei“, warnte Dr. Mathias Feige gegenüber den anwesenden touristischen Leistungsträgern. Frei übersetzt könnten seine Ausführungen so interpretiert werden : Jeder ist selbst dafür verantwortlich, seine Betten zu füllen. Aus diesem Grund ist aber ein hohes Niveau der eingangs angesprochenen Qualität der touristischen Produkte von enormer Wichtigkeit.
Die Gemeindevertretung erhob das vorgestellte Leitbild zum Beschluss. Ein erster Schritt, den auch Dr. Feige während der Präsentation ansprach. Gleichzeitig ist mit diesem Beschluss auch die Fortführung (Überarbeitung) des Tourismuskonzeptes sowie die Erarbeitung eines Marketingkonzeptes für Sellin beschlossene Sache.
Nunmehr müssen Produkte für den Gast entwickelt werden, mit denen man gezielt die angesprochene Gästeklientel einwerben kann. Dazu kommt ein zu gründender Qualitätszirkel, der die Erarbeitung der Produkte "überwacht".
Eine Steuerungsgruppe von maximal fünf bis sechs Personen soll im Zeitraum von 2003 bis 2005 das nunmehr vorliegende Leitbild mit "Leben erfüllen" und, was auch Sellin viel wichtiger erscheint, die Vermieter, Hoteliers, Gastronomen und weitere Leistungsträger mitnehmen, so dass gemeinsam an der Umsetzung gearbeitet wird. Zum Wohle des Gastes wie der Tourismusexperte betont. Denn die nationale und internationale Konkurrenz schläft nicht ...